Der September im Garten

 

Der September ist wettermäßig dem Mai ähnlich. Es ist noch recht mild und das Wasser bleibt lange im Boden, der noch viel Restwärme vom Sommer hat und gleichzeitig nicht mehr so schnell austrocknet. Und es ist der Monat der umherschwebenden Spinnfäden: Der Altweibersommer. Dieses Wetter ist für den Garten wie ein zweiter Frühling nach der Sommerhitze. Jetzt ist für die meisten Stauden und Gehölze die beste Pflanzzeit. Viele im August vorgezogene Gemüsearten können jetzt ebenfalls ausgepflanzt werden. Man braucht dabei nur die Pflanzen frei von Unkräutern und Schnecken zu halten. Wässerung ist nur noch vereinzelt, Düngung ist gar nicht mehr notwendig, außer bei frisch gepflanzten Gehölzen eine Startdüngung aus Kompost, die am besten bei der Pflanzung eingearbeitet wird. Schnellwachsender Salat, Radieschen und Rucola schaffen es in der Regel noch gut, bis zum Winter erntereif zu werden. Um sicher zu gehen, kann man sie auch ins Frühbeet säen. Für die Aussaat von Winterpostelein direkt ins Freiland und auch ins Frühbeet ist jetzt der ideale Monat. Winterpostelein keimt erst, wenn der Boden sich unter 12° abkühlt.
In vielen Gärten ist jetzt die Haupterntezeit. Das meiste wird davon verbraucht bzw. verarbeitet. Die meisten lagerfähigen Früchte kommen erst ab Oktober.

Nachdem ich bei mir das hohe Gras abgesenst habe, sammle ich praktisch täglich Falläpfel ein. Meine Apfelsorten werden erst ab Oktober pflückreif. Die jetzt fallenden Äpfel verarbeite ich zu Rohsaft, bzw. bringe ich zur Kelterei. Dieses Äpfel sammeln geht bis Dezember. Beim Pflücken übersehe ich immer mal ein paar reife Äpfel, die dann bald herunter fallen. Beim Fallen allein kommen noch keine Druckstellen. Die Äpfel fallen ja bei mir alle ins weiche Gras. Die Druckstellen entstehen, wenn Äpfel auf bereits unten liegende fallen. Deshalb ist tägliches Sammeln zur Schadensbegrenzung notwendig.
Daneben wächst im September das Unkraut noch mal besonders schnell. Zum Teil kommen die Kulturpflanzen mit unerwünschten Kräutern in der Nachbarschaft gut zurecht. Es ist nur so, dass sich in hohem Unkraut besonders viel Schnecken aufhalten. Kurzum – der September ist bei mir neben dem Mai der arbeitsintensivste Monat.

Anfang September, wenn die Nachttemperaturen in den einstelligen Bereich fallen, hole ich die besonders wärmeliebenden Zimmerpflanzen rein. Das sind Ficus, Dickblätter, die vielen Amaryllis-Arten, Orchideen, Aronstabgewächse, Drachenbäume und was man noch so an tropischen Arten hat. Bevor ich sie in die Wohnung schaffe, wird jede Pflanze gründlich untersucht. Durchwurzelte Ballen werden umgetopft. Kümmerliche Pflanzen, welche den Sommer über kaum Wurzeln gebildet haben ebenfalls. Bei letzteren wird so ein eventuelles Ungleichgewicht in der Erde beseitigt. Kranke Triebe werden zurück geschnitten, Düngung ist auch hier nicht mehr erforderlich. Da wir uns in der Tag-und-Nacht-Gleiche befinden, verarbeiten die Pflanzen kaum noch Dünger. Ungesiebte Komposterde, bei Bedarf mit Sand verdünnt, ist der beste Langzeitdünger für das bevorstehende Winterhalbjahr. Gegossen wird ab September nur noch sparsam und nur dann, wenn sich die Erde fast trocken anfühlt. Bei den kürzer werdenden Tagen nehmen die Pflanzen immer weniger Wasser auf. Gibt man ihnen mehr als sie brauchen, kann das zur Wurzelfäule führen. Ende September werden dann die letzten Zimmerpflanzen auf die gleiche Weise herein geholt, denn ab da können schon die ersten Nachtfröste auftreten.

An warmen Tagen können im September Gartenteiche gereinigt werden, falls das nicht schon im Mai passiert war. Dabei wird vor allem der Schlamm aus dem Sommer und aus dem letzten Winter heraus geholt. Besonders das Herbstlaub des letzten Jahres ist so weit zersetzt, dass die weitere Verrottung dem Wasser Sauerstoff entziehen würde, was beim Zufrieren kaum ein Bewohner im Teich überleben würde. Das neue ab jetzt fallende Laub ist dagegen kaum ein Problem. Es bindet bis zum nächsten Herbst in einem Jahr jede Menge Nitrat und Ammoniakgase und ist daher erst einmal gut für den Teich. Außerdem nutzen viele Teichbewohner dieses frische Herbstlaub als Überwinterungsplatz. Erst im Laufe des Folgejahres sollte es aus dem Teich entfernt werden. Denn wenn das Laub langsam weiter verrottet, gibt es allmählich das eingesammelte Nitrat wieder an das Wasser ab. Wenn der Teich naturnah mit vielen Sumpf- und Wasserpflanzen angelegt ist, dann nutzen die Pflanzen diese Langzeitdüngung aus dem Herbstlaub. Wenn außer einer Seerose kaum etwas drin ist, sollte das Laub schon im Frühjahr raus, um stärkere Algenbildung im Sommer zu vermeiden.

Im September ist Herbstsonnenwende. Das berührt mich immer besonders. Gibt doch die Sonne in dieser Minute dem Südpol einen Begrüßungskuss nach 6 Monaten Dunkelheit und unserem Nordpol einen Abschiedskuss. Überall auf der Erde sind Tag und Nacht 12 Stunden lang und die Sonne wendet sich ab diesem Zeitpunkt der Südhalbkugel zu. Der Norden begrüßt an diesem Tag die dunkle Jahreszeit.