Der Oktober im Garten

 

Ich habe Jahre erlebt, da setzte das Fallen des Herbstlaubes schon am 20. August ein, besonders nach trockenen Sommern. Dann wieder gibt es hin und wieder ein Jahr, da sind die Bäume Mitte Oktober noch vollständig grün. Wir können aber davon ausgehen, dass spätestens im Oktober die Blätter fallen.
Das bedeutet, dass die Laubgehölze ihre Wasseraufnahme fast vollständig einstellen. Sie können ohne Blätter ja nichts mehr verdunsten. Ab jetzt werden sommergrüne Laubgehölze auch beim Umpflanzen nicht mehr angegossen. Die Herbst- und Winterfeuchtigkeit im Boden ist ausreichend zum Anwachsen und optimal für die langsame Wurzelbildung während der Winterruhe. Zu viel Wasser führt zu Fäulniskrankheiten.
Anders sieht es bei den immergrünen Pflanzen aus. Werden die letzten Wochen vor dem Winter trocken, dann sollen Koniferen, Rhododendron und Co kräftig eingewässert werden. Sie verdunsten selbst bei starkem Frost noch Wasser über ihre Blätter. Das Einwässern im Herbst soll sie vor späteren Austrocknungen schützen.

Der Rasen wird im Oktober zum letzten Mal gemäht. Ab dem ersten kräftigen Nachtfrost bremst er sein Wachstum. Selbst wenn das Gras kurz vor dem Winter noch mal recht lang erscheint, diese Länge braucht es, um das wenige Licht der kurzen Wintertage einzufangen und damit die Stärkevorräte in den Wurzeln aufzufüllen. So gerüstet übersteht der Rasen dann lange schneereiche Winter ohne braune Stellen.
Wer Herbstgemüse ausgesät hat, kann ab jetzt schon den ersten Feldsalat und bald auch Spinat ernten. Rucola bringt im Oktober und November besonders viel Blattmasse. Ein Teil des Wintergemüses habe ich in die Frühbeete gesät und gepflanzt, die ich damit in „Spätbeete“ umfunktioniert habe. Ich hoffe, dadurch bis Weihnachten frisches Gemüse ernten zu können.
Wer späte Apfelsorten hat, so wie ich, der sollte diese ab jetzt mehrmals durch pflücken und täglich die Falläpfel auflesen. Die bekommen ihre Druckstellen vor allem erst durch die auf sie drauf fallenden Äpfel, mit täglichem Sammeln wird das weitgehend vermieden.
Das gilt für alles andere Obst auch.

Seit einigen Jahren lege ich im Oktober die Kartoffeln für die Ernte im darauf folgenden Jahr und decke die Beete mit einer dicken Laubschicht gegen den Frost zu. Ich habe selbst keinen geeigneten kühlen Keller und denke, dass die Saatkartoffeln in der Erde am natürlichsten gelagert werden. Außerdem spare ich dadurch später im Frühling den Zeitaufwand für die Anlage von Kartoffelbeeten. Dann brauche ich nur noch das Laub von den Beeten zu nehmen, welches ich auf die geplanten Beete des übernächsten Jahres zwischen lagere.
Rechtzeitig vor dem ersten Frost sollten die letzten Zimmerpflanzen rein geholt werden. Wer die Möglichkeit hat, Geranien oder Fuchsien in einem kühlen hellem Raum zu überwintern, sollte diese beim Einräumen im Winterquartier zurück schneiden. Dabei werden vor allem lange schwächliche Triebe abgeschnitten, um die Bildung von neuen Trieben anzuregen. Dies ist eine Art Verjüngungsschnitt.

Die letzten Zugvögel verlassen im Oktober unser Gebiet, die Wintergäste aus dem Norden, wie z. B. die Wacholderdrossel sind längst da. Die Heuschrecken geben bis zum Frost jeden trockenen Nachmittag und Abend noch ein lautes Konzert. Und selbst danach machen einige noch weiter, erst Anfang November verstummen die Letzten.
In den Bauten der Wespen und Hornissen werden im Oktober die neuen Königinnen erwachsen. Diese machen sich jetzt nach dem Begattungsflug auf die Suche nach Überwinterungsplätzen. Nur die Königinnen überwintern, Arbeiterinnen und Drohnen sterben im Herbst.

Der Herbst ist auch Pilzzeit, manchmal auch im eigenen Garten. Seit 2009 setze ich neben Kompost auch Kaninchenmist zur Bodenverbesserung ein. Vermutlich deshalb habe ich seitdem Riesenschirmpilze bei mir im Gewächshaus, welches im Oktober mein letzter frostfreier Platz in der Gärtnerei ist.
Der Oktober ist seit Jahrtausenden die Zeit der Erntedank- und Erntefeste. Für unsere Vorfahren gehörte beides zusammen. Dabei gab es regionale Besonderheiten. Als es unseren heutigen Kalender noch nicht gab, fanden diese Feste teils zum Neumond und teils zum Vollmond nach der Herbstsonnenwende statt, teils auch schon direkt zur Herbstsonnenwende. Die Menschen dankten der Natur und damit allen Naturwesen und Geistern für die Ernte und für die gemeinsame Zeit im Jahr. Sie dankten der Sonne und verabschiedeten sie. Und sie begrüßten die dunkle Jahreszeit, mit ihren langen Abenden und mit ihren idealen Temperaturen, um die Ernte gut zu lagern.