Der Mai im Garten

 

Mai ist der Wachsemonat: Die Tageslänge steigt von 15 auf 16 Stunden, es ist mild bis warm. Gleichzeitig ist der Boden noch so kühl, dass nur wenig Wasser verdunstet. Meistens ist noch Feuchtigkeit aus dem letzten Winter im Boden. Wenn es im Mai viel regnet, dann sind die Wachstumsbedingungen optimal. Wenn es doch schon mal länger trocken ist, was ja hin und wieder vorkommt, dann bleibt das Gießwasser aufgrund der noch niedrigen Bodentemperatur trotzdem noch recht lange im Boden. Je nach Bodenqualität genügen daher an heißen Tagen Zusatzbewässerungen alle 2 bis 4 Tage. Wegen dieser Bedingungen ist der Mai der letzte Monat, der zum Pflanzen geeignet ist. Später haben es die Pflanzen wegen der hohen Temperaturen und der Trockenheit zu schwer zum Anwachsen, in feuchten Regionen ist es aber teils anders.
Ab dem 20. Mai kann es dann aber auch im Boden recht warm und trocken werden, die Sonne hat dann fast schon ihren Höchststand erreicht. Ab diesem Termin erst können Sie Gurken ins Freiland pflanzen. Sie wollen es nicht nur frostfrei, sondern auch nachts mindestens +5° warm haben. Tomaten können etwas früher raus, nach den Eisheiligen etwa ab dem 15. Mai. Dabei muss man auf das Wetter achten, welches in einzelnen Regionen unterschiedlich ist. Während es in Deutschland Orte geben soll, die im Mai frostfrei sind, hatte ich bei mir in der Sonnengärtnerei 2006 und 2009 Anfang Juni die letzten Nachtfröste.

Schattieren ist jetzt in Gewächshäusern an sonnigen Tagen nötig. Viele Zimmerpflanzen können im Laufe des Monats an die Sommerfrische. Nachdem sie den Winter über Staub gefangen haben, wird ihnen der Regen gut tun und sie säubern. Man kann auch mit einer Dusche nachhelfen. Aber Vorsicht mit Sonne: Die meisten Pflanzen sind ungeschützte Sonneneinstrahlung nicht gewöhnt und würden in der vollen Sonne verbrennen. Halbschatten ist optimal, einige Pflanzen, wie Azaleen, Alpen- und Usambaraveilchen genießen auch Vollschatten bis August. Spätestens ab Ende August sollten sie dann doch noch einen sonnigen Platz bekommen – aber bis da ist es noch etwas hin, jetzt haben wir Mai.

Im Mai werden Bohnen und Mais gesät, sowie am Ende des Monats Kürbisse direkt, Kohlrüben und Rote Beete. Ich habe beobachtet, dass die Schnecken eher an gepflanzte Kürbisse gehen und seltener an direkt gesäte. Ab Mai werden auch Basilikum, Mairüben, Mangold, Koriander und Kapuzinerkresse gesät.

Nun können Gartenteiche gereinigt werden. Der Schlamm des vergangenen Jahres diente vielen Wasserbewohnern als Winterquartier. Jetzt, wo die Wassertemperaturen steigen, setzt er aber Nitrate und Phosphate frei, und vor allem verbrauchen die Bakterien für diese Prozesse viel Sauerstoff. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Schlamm aus dem Teich zu holen. Dabei werden gleich die ganzen Pflanzen wie Seerosen auf abgestorbene und faulende Teile überprüft und gereinigt. Sie wachsen dann um so besser und helfen, im Teich das Gleichgewicht nach der Reinigung schnell wieder herzustellen.

Das meiste Gemüse ist bzw. wird im Mai gepflanzt. Nur wenige Kulturen werden jetzt schon geerntet: Das Wintergemüse Feldsalat geht Anfang Mai zu Ende, es fängt zu blühen an. Lässt man ihn ausblühen, kann man im Juni/Juli Samen ernten. Feldsalat sät sich aber auch gut selbst aus. Winterpostelein kann noch den ganzen Mai über geerntet werden. Vor einem Jahr hatte ich mal eine Hand voll Blätter mit ihren langen Stielen an einem Grillabend einfach in ein Glas Wasser gestellt, so dass sich jeder daran bedienen konnte: Die Leute haben mir gesagt, dass diese Blätter besser als Salzstangen waren. Die ersten Radieschen gibt es, Schnittlauch, frühen Kopfsalat und Kohlrabi, sowie Rhabarber. Wer sie im Garten hat, kann bereits jetzt die noch weitgehend unbekannten Maibeeren ernten, eine recht dankbare Art aus der Gattung Lonicera, die aus Mittel- und Ostasien stammt.
Noch vor den Kulturpflanzen können Sie die ersten Wildkräuter ernten. Brennnesseln werden bevorzugt im Mai geerntet, da haben sie die optimale Zusammensetzung. Man kann sie zu Spinat verarbeiten und auch trocknen für Tee. Vogelmiere wächst jetzt sehr gut und gibt einen wohlschmeckenden Salat für die Zeit zwischen dem letzten Feld- und dem ersten Kopfsalat. Der Gemüselauch, bekannter unter der falschen Bezeichnung „wilder Schnittlauch“ ist jetzt ausgewachsen und erntereif. Ich sammle gern alle möglichen Wildkräuter, häcksele sie klein unter Beimischung von Raps- oder Leinöl. Das ergibt ohne weitere Gewürze einen aromatischen Brotaufstrich. Die Knoblauchrauke, die jetzt wächst, mische ich mit Butter. Die schmeckt dann nach Knoblauch, aber man riecht nicht danach. Immer mehr gehe ich dazu über, die Kräuter pur, manchmal mit etwas Margarine oder Butter aufs Brot zu legen. Und noch lieber nasche ich sie den Tag über vom Beet: immer wenn mir danach ist mal einen Trieb. Ich verspüre in dieser Zeit dann keinen weiteren Hunger.
Schnittlauch und Sauerampfer werden jetzt auch geerntet, sowie Spargel und Rharbarber.

Mit Mauersegler, Pirol, Gelbspötter und Schwirl kommen im Mai die letzten Zugvögel aus dem Süden zurück. Ich habe festgestellt, dass der Gelbspötter erst singt, wenn kein Nachtfrost mehr zu erwarten ist.