Der Juni im Garten

 

Die Pflanzzeit ist praktisch vorbei. Der Boden wird sommerlich warm und trocknet bei ausbleibenden Niederschlägen schneller aus. Und an Regentagen wächst einfach alles, sowohl erwünschte als auch weniger erwünschte Pflanzen. Jetzt heißt es, das Gleichgewicht zwischen den Pflanzen zu halten!
Die Zimmerpflanzen erfreuen sich wie wir daran, draußen an der frischen Luft zu stehen, den Regen zu erleben und den Nachttau. Kakteen, Oleander und Zitrusbäume vertragen nach einer Gewöhnungsphase die volle Sonne, die meisten anderen sollten im Halbschatten stehen.
Trockenzeiten werden mit einer Mulchdecke gut überstanden. Dazu kann man fast alles organische Material verwenden, der persönliche Geschmack des Gartenbesitzers bestimmt die Auswahl. Ich selbst nehme, was ich gerade bekomme: Rasenschnitt, den ich zur Vermeidung von Gärprozessen nur dünn und locker verteile, das Laub des letztes Herbstes, Unkräuter, die ich an Ort und Stelle gleich auf dem Beet lasse, letzteres ist aber auf sehr feuchten Böden nicht zu empfehlen, da wachsen die Wurzeln gleich wieder in den Boden.

 

Oft erkenne ich in dieser Wachstumszeit, an welchen Stellen Nährstoffmangel herrscht. Meistens bleiben die Pflanzen kleiner und sehen blasser aus. Die Mangelerscheinungen können aber vor allem bei der Verwendung von Mineraldünger sehr vielfältig aussehen. Ich selbst verwende diese Dünger seit einigen Jahren nicht mehr. Damit entfällt für mich die Möglichkeit des schnellen Auffüllens von Defiziten im Boden. Brennnesseljauche, sehr stark verdünnt hat die selbe Wirkung wie eine chemische Düngerlösung. Sie wirkt schnell aber auch nur kurz. Wenn die Grunddüngung, also vor dem Pflanzen z. B. Mist eingraben verpasst wurde, ist eine natürliche Nachdüngung schwierig, wenn die Pflanzen auf dem Beet bleiben sollen. Die Kombination von brennnesselhaltigem Gießwasser mit einer Mulchdecke bringt eine halbwegs gute Langzeitdüngung. Mitunter decke ich auch mal abgelagerten Mist, z. B. von Kaninchen zwischen die Pflanzen. Mist als Mulchmaterial ist zwar mit einigen Stickstoffverlusten in die Luft verbunden. Den kann man aber mit durchdringendem Wässern minimieren, und die Pflanzen nehmen diese Gaben sehr dankbar an.
Im Juni werden viele Beerenfrüchte reif und auch die Kirschen. Beides braucht zur Fruchtbildung viel Wasser. Nach der Ernte kann man die Wassergaben reduzieren. Wer allerdings von seinen Erdbeeren viele Ableger ziehen will, sollte bis August weiter wässern.

Bereits seit Mai sind die Schnecken wieder recht aktiv. Da sie nachtaktiv sind, gieße ich nur morgens, so dass sie nachts über den abgetrockneten Boden nicht so leicht an die Nutzpflanzen kommen. Ich habe entdeckt, dass Schnecken einen Bogen um Ameisen machen. Wer also Probleme mit Schnecken hat, kann sich über Ameisen im Garten freuen, denn sie helfen, die Schnecken zu verdrängen. Kulturen, die für Schnecken besonders schmackhaft sind wie z. B. Salat, sollten deshalb in der Nähe von Ameisenbauten gepflanzt werden. In der Nähe der Kulturpflanzen sollten die Wildkräuter kurz gehalten werden. Dafür ist es gut, weiter entfernt wilde Bereiche zu lassen. Neben vielen anderen Tieren kann man Schnecken dort hin locken. Die Schnecken sind sowieso in fast jedem Garten. Anstatt sie aufwändig zu bekämpfen, können Sie ihnen auf diese Weise Plätze zeigen, an denen sie gut leben können. Auch dies gehört zum Halten des Gleichgewichtes.

Der Rasen wächst im Juni noch besonders gut. Mittels Mulchschnitte erfolgt z. T. Die Düngung des Rasens. Dazu werden entweder mit spezielle Mulchmäher verwendet, oder man mäht in Abständen von maximal 7 Tagen mit einem normalen Rasenmäher ohne Fangkorb. Es kommt darauf an, so oft zu mähen, dass immer nur die obersten Grasspitzen gemäht werden, die dann zwischen die Gräser fallen, ziemlich schnell verrotten und die Nährstoffe dem Boden zurückführen.
Der Rasen wächst ab der Sommersonnenwende immer langsamer. Die Mähabstände vergrößern sich langsam zunächst auf 9 Tage und im Juli auf bis zu 2 Wochen. Die Blütenbildung der Gräser lässt ab dem Zeitpunkt nach, ab dem die Tage wieder kürzer werden. Denn die Samen reifen dann bis zum Herbst nicht mehr vollständig aus. Deshalb stecken die Gräser ab Ende Juni nicht mehr so viel Kraft in das Wachstum und man kann den Rasen auch mal einige Zentimeter länger stehen lassen. Das hilft den Gräsern auch beim Sammeln der Reserven für den Winter. Nach schneereichen Wintern haben wir ja etliche abgestorbene Stellen in den Rasenflächen. Ich habe übrigens keine einzige derartige Stelle in einer Naturwiese gefunden. Irgendwie scheinen sich die Pflanzen dort gegenseitig über den Winter zu helfen.

In den Tagen zwischen Sommeranfang und Johanni (24. Juni) beginnt ein Konzert. Wer in diesen Tagen sich mal die Zeit nimmt und lauscht, kann ein richtiges Streichkonzert mit Niveau erleben, vor allem der Anfang hat etwas! So habe ich es vor allem letztes Jahr erlebt.
Die ersten Grillen hört man ja bereits im Mai, von denen ist aber hier nicht die Rede, sondern vom ersten Musizieren der Heuschrecken im Jahr. Zunächst lässt im Juni der Vogelgesang nach. Die bis dahin lauten Vögel erscheinen mir wie Konzertbesucher, die sich erst einmal laut in den Konzertsaal einfinden, den einen oder anderen Bekannten treffen, schwatzen und von sich selbst etwas erzählen. Allmählich in Erwartung der Streicher finden sie sich auf ihren Plätzen ein und werden immer stiller. Ab Sommeranfang wird es dann richtig ruhig, denn das Konzert wird jeden Augenblick beginnen.
In der Stille hört man zuerst ein ganz zaghaftes und sanftes Rasseln. Es ertönt in regelmäßigen Abständen mit ebenso regelmäßigen Pausen. Nach einer Weile hört man laute kurze Rasseltöne, ebenso regelmäßig. Dann streicht die erste Heuschrecke wieder und bald hört man beide im Duett. Nach einer halbe Stunde fällt eine dritte und bald eine vierte ein. Jede klingt anders und alle scheinen in voller Harmonie zusammen zu spielen. Im Laufe des Tages werden es immer mehr, und immer wieder erlebt man, wie eine auf die andere wartet. Es spielen bald auch viele gleichzeitig und es klingt trotzdem harmonisch. Gerade in diesen ersten Tagen des Heuschreckenkonzertes, kann man als aufmerksamer Zuhörer das hohe Niveau heraushören.
Einmal während ich nun so dasaß und gebannt den ersten Heuschrecken lauschte, warf doch glatt jemand für mich unerwartet leere Flaschen und Gläser in die Glascontainer bei mir in der Nähe. Ich dachte: Wie kann man nur so diese Atmosphäre stören... Dann stellte ich ein Phänomen fest: Die Glaswürfe erfolgten regelmäßig und die Heuschrecken störten sich offenbar gar nicht daran, sondern bauten die Glaswürfe sofort in ihr Konzert mit ein, so als ob sie diesen Mensch auch als Virtuosen akzeptierten. So wie Pauke, Trommel und Schlagzeug im Konzert wechseln, so wechselten sich mehrere Heuschrecken exakt rhythmisch mit dem Glaswerfer ab, bis er fertig war. Das beeindruckte mich und das soll mal ein Orchester so spontan nachmachen. Die Heuschrecken werden von der Sommersonnenwende an bis zum ersten kräftigen Herbstfrost zu hören sein.