Der Januar im Garten

 

Obwohl die Tage seit Weihnachten langsam wieder länger werden, ist es ein Monat der Ruhe. Menschen und Tiere zehren von den angelegten Vorräten und den Fettreserven. Es sind nur wenige Vögel zu hören. An sonnigen, milden Tagen hört man schon seit Dezember den Kleiber, Kohlmeisen, Rotkehlchen und Gartenbaumläufer. An eisigen Tagen ist es ganz still. Die Amseln holen sich noch an den Sträuchern hängende Beeren vom Cotoneaster und von der Eberesche, bzw. fressen von den angefaulten Äpfeln, die ich regelmäßig auf den Kompost werfe. Das tue ich, obwohl das unter Obstbauern umstritten ist. Meine Bäume sind kräftig und werden mit Krankheitserregern gut fertig.

Die Zimmerpflanzen haben einen Teil ihrer nicht so großen Reserven schon verbraucht. Da sie alle aus wärmeren Ländern stammen, fällt ihnen der Winter oft schwer bei uns. In ihrer Heimat sind viele eine ständige Tagundnachtgleiche gewöhnt, mindestens jedoch 10 bis 11 Stunden Tageslänge, und höchstens 13 Stunden Nacht. In den Nächten veratmen die Pflanzen die Sonnenenergie, die sie tagsüber aufgenommen haben. Sind die Nächte länger als die Tage, dann bleibt in der Natur auch in wärmeren Ländern die Energiebilanz nur deshalb ausgeglichen, weil es nachts kühler ist. Damit werden in den wechselwarmen Pflanzen sämtliche Stoffwechselvorgänge verlangsamt. Es gilt die vanhofftsche Regel, dass eine Temperaturerhöhung um 10° eine Verdoppelung der Stoffwechselgeschwindigkeit nach sich zieht. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Das Ergebnis in Wohnungen, die bei uns auch nachts unvermindert geheizt sind, und in denen die Pflanzen noch dazu an halbdunklen Stellen stehen, sieht man teils schon jetzt, massiv dann im Februar und März. Die Folgen von 16 Stunden Dunkelheit zu 8 Stunden Licht erscheinen meistens verzögert.

Mit einer nächtlichen Temperaturabsenkung von 3 bis 5° unterstützt man die Pflanzen. Im Januar dürfen selbst Arten, die sonst keine volle Sonne vertragen ans Südfenster. Die Januarsonne hat noch wenig Kraft und scheint intensiv auch nur kurzzeitig. Viele Pflanzen vertragen das Umstellen recht gut und zeigen sich sogar dankbar, wenn sie aus Liebe für ein besseres Gedeihen umgestellt werden. Das Gießen sollte im Januar sparsam erfolgen. Die meisten Pflanzen nehmen ohnehin gerade kaum Wasser auf. Gießt man mehr als sie brauchen, dann beginnen die Wurzeln zu faulen. Kakteen brauchen zurzeit gar kein Wasser. Sie lieben dazu eine kühle Überwinterung so um die 10°C. Äußerste Vorsicht ist mit dem Lüften walten zu lassen. Eine kurze Stoßlüftung mit Durchzug in den milderen Mittagsstunden wird am ehesten vertragen, bei eingeschalteter Heizung. Kippfenster eine halbe Stunde und länger offen zu halten, wenn direkt unter ihnen Zimmerpflanzen stehen, sollte bei Frösten vermieden werden, diese Lüftungen haben auch bei mir schon einigen Pflanzen das Leben gekostet.

Auf dem Balkon herrscht tiefste Winterruhe. Bis Anfang März können noch starke Fröste auftreten, die auf dem Balkon stärker wirken, da die von unten wärmende Erde fehlt. Die gut isolierten Kübelpflanzen, die auf dem Balkon überwintern, bleiben in ihrer wärmenden Verpackung. Schnitt- und Pflanzarbeiten sind deshalb in den Wintermonaten auf dem Balkon ein Tabu.

Spätestens im Januar sollte das Saatgut für das Frühjahr bestellt werden, sofern Sie es sich nicht selbst herangezogen haben. Bereits jetzt kann man erste Aussaaten durchführen, wie Geranien. Damit die im Mai auch blühen, sät man sie kurz nach der Wintersonnenwende aus, bei Temperaturen von 23°C. Auch Alpenveilchen werden im Januar ausgesät.

Mit der Wintersonnenwende hat für mich die Keimsprossensaison begonnen. In einem Keimgerät aus Keramik ziehe ich mir Sprossen aus Alfalfa, Kresse, Radieschen, Mungobohnen und Braunhirse heran. Sie sind eine ideale Versorgung mit frischem Salat im Winter.