Stellungnahme zum 1. Entwurf zur Änderung des BP 1 und zum 8. Entwurf zur Änderung des Flächennutzungsplanes

 

Naturschutzbund Deutschland
Ortsgruppe Fredersdorf-Vogelsdorf e.V.
Vorsitzender Andreas Hinz
Wagnerstraße 24
15345 Eggersdorf

Gemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf
Fachbereich 3
Ortsentwicklung, Straßen- und Grünverwaltung
Frau Ebert
Lindenallee 3
15370 Fredersdorf-Vogelsdorf

27.7.2018

Sehr geehrte Frau Ebert,

sehr geehrte Damen und Herren Gemeindevertreter,

hier unseren Einwand und unsere Bedenken zum ausliegenden 1. Entwurf zur Änderung des BP 1 in Fredersdorf-Nord und zum 8. Entwurf zur Änderung des Flächennutzungsplanes.

Mit der Änderung des FNP soll die 2,2 ha große als Ausgleich für das bisherige Gewerbegebiet festgesetzte Grünfläche im Ostteil des BP 1 in Gewerbegebiet umgewandelt, das Gewerbegebiet also erweitert werden.

Die Begrünung dieser bisher als Sondergebiet festgelegten Fläche ist eine Forderung des landschaftspflegerischen Begleitplans zum BP 1. In der rechtskräftigen Begründung zum BP 1 heißt es unter 2.4.1 Festsetzungen zur Grüngestaltung:

" Teilweise werden Grünflächen festgesetzt, die auch zur privaten Nutzung dienen können (Wiese). Gemeinsam mit dem ohnehin ausgeklammerten Feuchtbiotop soll diese von Bebauung frei zu haltende Zone im östlichen Teil landschaftsbezogen gestaltet sein und einen Ausgleich zur Nutzung der Flächen des Gewerbegebietes bilden."

Zum Bebauungsplan BP 1 von 1995 wurde ein landschaftspflegerischer Begleitplan erarbeitet. Dieser enthält gemäß Punkt 2.4.1 der Begründung zum Bebauungsplan unter anderem folgende Festlegungen:

  • Als Fläche zur Anpflanzung werden Flächen gesichert, die nach Pflanzschema des landschaftspflegerischen Begleitplanes zu bepflanzen sind.
  • Um den Luftaustausch zu gewährleisten sind nur Maschendraht- und Drahtgitterzäune zulässig. Sie sind beidseitig durch je eine Reihe Strauchbepflanzung laut Pflanzschema einzugrünen.

Es fehlt im vorliegenden Planungsentwurf eine entsprechende Aussage, dass es sich hier um die als Ausgleich zum bestehenden Gewerbegebiet festgesetzte Grünfläche handelt. Des Weiteren fehlen die Aufhebung dieser Grünfestsetzung und die ausdrückliche Aufhebung dieses Teils des landschaftspflegerischen Begleitplans. Dies ist ein Sachverhaltsdefizit.

Den Artenschutzbeitrag ergänze ich hier mit dem Nachweis der Sperbergrasmücke Sylvia nisoria. Am 26.7.2018 konnte ich um 11 Uhr ein Pärchen dieser streng geschützten Art mit zwei flüggen Jungvögeln im Bereich der Gewöhnlichen Traubenkirschen im Südwestteil der Grünfläche beobachten. Entsprechende Festsetzungen zum Schutz dieser Art sind im Bebauungsplan aufzunehmen.

In der Begründung zum Änderungentwurf zum BP 1 wird der vorhandene Vegetationsbestand auf dem Plangebiet nicht richtig dokumentiert. Unter Punkt 4.3 werden die Sträucher und Bäume insbesondere in den Randbereichen als Wildwuchs bezeichnet.
Da es sich jedoch um Anpflanzungen von Bäumen und Sträuchern handelt, die auf den Festlegungen des landschaftspflegerischen Begleitplanes des rechtskräftigen Bebauungsplanes BP 1 von 1995 beruhen, sind fast alle vorhandenen Sträucher und Bäume auf dieser Plangebietsfläche gezielte Anpflanzungen und kein Wildwuchs und sind deshalb rechtlich geschützt. Auch hier liegt ein Defizit in der Sachverhaltsermittlung vor. Dieser Sachverhaltsdefizit hat zur Folge, dass die Eingriffe in Natur und Landschaft falsch bewertet werden und demzufolge auch die Kompensationsmaßnahmen nicht richtig ermittelt wurden. Die Beseitigung von Ausgleichspflanzungen hätte eine Kompensation von 1 : 1 zur Folge. Das bedeutet, dass alle damals gepflanzten Bäume und Sträucher, die durch die Gewerbegebietserweiterung beseitigt werden, vollumfänglich und gleichwertig ersetzt werden müssen.

  1. Aus folgenden Gründen lehnen wir den ausliegenden Entwurf „BP 1 Gewerbegebiet Fredersdorf-Nord 1. Änderung" und die beabsichtigte Änderung des Flächennutzungsplanes ab:

    Eine Gewerbegebietserweiterung mit ausgewiesen Bauflächen in den Bereich der vorhandenen Ausgleichsfläche des landschaftspflegerischen Begleitplanes hinein, führt zum Verlust dieser Ausgleichsflächen insbesondere im westlichen Bereich direkt hinter den Gewerbebauten. Dadurch wird die damals festgelegte Zielsetzung, diese Fläche von Bebauung freizuhalten, landschaftlich zu gestalten und einen Ausgleich zum Gewerbegebiet zu schaffen, aufgehoben. Die Ausgleichsfunktionen gehen durch den Verlust von Flächen, den Verlust an Biotopen und den Verlust von Vegetation und den einhergehenden Emissionen dauerhaft verloren.
  2. Die geplante Gewerbegebietserweiterung führt zum Verlust von unterschiedlichen Biotopstrukturen und damit zum Verlust von Lebensräumen von vielen einheimischen Tierarten. Dieser Verlust der Biotopstrukturen, insbesondere der Verlust von Bäumen und Sträuchern entlang der westlichen Grenze des Plangebietes führt zum weiteren Rückgang von Tierarten und deren Populationen. Diesem Arten- und Populationsrückgang sollen eigentlich Ausgleichsflächen wie diese mit ihrer funktionalen Bedeutung in unserem Gemeindegebiet entgegen wirken.

  3. Des Weiteren führt die Gewerbegebietserweiterung der bestehenden Gewerbeflächen und der beabsichtigten Erschließung über die Zillestraße mit zwangsläufig erforderlichen Baumaßnahmen und erforderlichen Zuwegungen zur Beseitigung der im rechtskräftigen Bebauungsplan von 1995 festgesetzten Eingrünungen der Zaunbereiche. Auch dadurch gehen Lebensräume für viele Tierarten verloren.

  4. Die Wiesenfläche mit den umgebenden Gehölzstreifen ist ein Rückzugs- und Nahrungsgebiet für größere Wildtierarten wie Feldhase und Reh. Dass diese Fläche regelmäßig von größeren Wildtieren zur Nahrungssuche und als Rückzugsort genutzt wird, ist anhand der Vielzahl von Tierspuren auf dem Lehmboden des Plangebietes nachzuweisen. Auch hier führt eine Bebauung zwangsläufig zur Verdrängung wildlebender Tierarten aus dem Gemeindegebiet heraus.

  5. Auf Grund des an vielen Stellen im Plangebiet hohen Lehmanteils ist eine Versickerung der Niederschläge nur eingeschränkt möglich. Insbesondere bei Starkregenereignissen und während der Schneeschmelze würde verstärkt Wasser in den angrenzenden Graben fließen. Dieser Graben leitet in niederschlagsreichen Zeiten viel Wasser aus einem Einzugsgebiet, das bis nach Altlandsberg heran reicht. In Fredersdorf-Nord führten diese großen Wassermengen in der Vergangenheit regelmäßig zu hohen Schichtwasserständen mit Schäden an der Bausubstanz. Wie wir schon in unserer Stellungnahme am 16.11.2017 zu diesem Änderungsvorhaben geschrieben hatten, ist dieser Graben in niederschlagsreichen Zeiten wiederholt an seine Kapazitätsgrenzen gekommen, so 1979, 1987 und 1988. Die Wetterextreme haben seitdem zugenommen. Eine Versiegelung dieser Fläche von bis zu 80 % der bisherigen festgesetzten Grünfläche würde dieses Problem verschärfen, insbesondere für die Anwohner südlich der Zillestraße.

  6. Der Eingriff in den Naturhaushalt kann im Geltungsbereich des Bebauungsplans nicht vollständig kompensiert werden. Zur Kompensation der durch die Planung zu erwartenden Versiegelung und den Verlust von Laubgehölz-und Wiesen-/ Staudenfläche wird eine Kompensationsmaßnahme auf einer bundeseigenen Liegenschaft in der Gemarkung Gielsdorf bei Strausberg auf einer Fläche von 2,5 ha Größe ausgeführt. Es handelt es sich um die Aufwertung eines 160-jährigen Kiefern-Reinbestandes durch die Pflanzung (Unterbau) von standortgerechten einheimischen Laubbaumarten, gemäß der Waldbaurichtlinie 2004 „Grüner Ordner" der Landesforstverwaltung Brandenburg. Dieser angestrebte Kompensationsausgleich weit außerhalb des Gemeindegebietes hat keinen Nutzen für den Naturhaushalt der Gemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf. Die gewählte Kompensationsart außerhalb des Gemeindegebietes ist nicht funktionsadäquat, da sie die Lebensraumfunktion der Baum- und Heckenstrukturen, die bei Umsetzung des angestrebten Planungziels verloren gehen, nicht wieder herstellen.

Aus den vorgenannten Gründen lehnen wir die Gewerbegebietserweiterung, wie sie in den Planungsunterlagen beschrieben ist, einschließlich der nicht funktionsadäquaten Ersatzmaßnahme außerhalb des Gemeindegebietes ab. Die Ausgleichsfläche des Plangebietes hat sich im Vergleich zu anderen Ausgleichsflächen des Gemeindegebietes über die vielen Jahre hinweg zielgerecht zu einer wertvollen Biotoplandschaft mit einem sehr vitalen artenreichen Vegetationsbestand entwickelt, der vielen Tierarten als Lebensraum dient. Deshalb fordern wir den Erhalt dieser Ausgleichsfläche im gegenwärtigen Zustand. Um diese Ausgleichsfunktion vollumfänglich dauerhaft zu erhalten, ist diese Fläche wie im rechtskräftigen BP 1 im Punkt 2.4.1 festgelegt weiterhin zu sichern. Die Änderung dieser Festsetzung lehnen wir ab.

Mit freundlichen Grüßen


Andreas Hinz
NABU Fredersdorf-Vogelsdorf e.V.

Anlage Planzeichnung Ausgleichsfläche v. 1995